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Wem gehört der Sound? Geistiges Eigentum und die Musikindustrie
Musik begleitet uns nicht nur auf dem Weg zur Arbeit – sie ist in nahezu allen Bereichen unseres Alltags präsent. Ob in Film und Unterhaltung, der Modebranche, Technologie, Videospielen oder den sozialen Medien: Musik ist allgegenwärtig und gewinnt zunehmend an Einfluss. Im Jahr 2024 zahlte Spotify 10 Milliarden US-Dollar an die Musikindustrie – laut Angaben des Unternehmens die höchste jährliche Zahlung eines einzelnen Händlers in der Geschichte (https://www.bbc.co.uk/news/articles/cy9d53rx7jxo). Dies verdeutlicht das enorme Potenzial von Musik als Einnahmequelle.
Um dieses Potenzial auszuschöpfen, bedarf es einer soliden rechtlichen Grundlage. Ein spezifisches „Musikrecht“ im engeren Sinne existiert jedoch nicht. Stattdessen stützt sich die Musikindustrie unter anderem auf ein komplexes Geflecht von Rechten des geistigen Eigentums (Intellectual Property, IP), die musikalische Werke, Aufnahmen und Aufführungen schützen.
Anlässlich des World Intellectual Property Day 2025 liegt der Fokus auf der Rolle des geistigen Eigentums, die globale Musikindustrie anzutreiben, sowie auf den neuen Herausforderungen, die durch Technologien wie künstliche Intelligenz (KI) entstehen. Von generativer KI bis hin zu Deepfake-Stimmen – moderne Technologien testen die Grenzen bestehender Gesetze und unterstreichen die Bedeutung des geistigen Eigentums in der Musikbranche.
Urheberrecht und Leistungsschutzrechte
Das Urheberrecht ist das Herzstück der Musikindustrie. Es schützt die Originalität musikalischer Werke und erkennt Songwriter und Komponisten als Urheber im Sinne des Gesetzes an, so dass sie ihre kreative Leistung verwerten können.
Die Realität, die hinter dem Erfolg eines Songs steht, ist allerdings viel komplexer. Es gibt viel mehr Beteiligte als den Künstler, dessen Name auf dem Cover erscheint. Produzenten, Texter, Tontechniker, Studiomusiker, Konzertveranstalter, Verlage, Plattenfirmen, Verwertungsgesellschaften und Nutzer usw. sind alle auf ein funktionierendes Netz des geistigen Eigentums angewiesen, um ihre Rechte und Einnahmen zu sichern.
Es gibt zwei Hauptarten von Rechten:
- Urheberrecht an dem Werk – für Komposition, Text und Arrangement.
- Leistungsschutzrechte – insb. für musikalische Darbietungen und Tonaufnahmen (in der Regel von Plattenfirmen).
Das Urheberrecht regelt auch die Kontrolle über die Nutzung eines Werks oder einer Aufnahme - einschließlich der öffentlichen Aufführung, der Sendung, der Online-Bereitstellung, des Verleihs und des Vertriebs. Sobald ein Song geschrieben oder aufgenommen wurde, dürfen andere ihn nicht mehr ohne Erlaubnis der jeweiligen Rechteinhaber vervielfältigen oder verwenden.
Die Rolle der Verleger und Plattenfirmen
Vom Studio bis zum Streaming: Wie gelangt ein Song in unsere Kopfhörer?
Musik erreicht ihr Publikum entweder direkt oder über Vermittler wie Musikverlage und Plattenfirmen. Komponisten oder ihre Verlage lizenzieren die Komposition und den Text, während Interpreten (Sänger und Musiker) ihre aufgenommenen Darbietungen lizenzieren. Diese Rechte sind voneinander unabhängig, aber gleichermaßen wichtig für die Monetarisierung von Musik.
- Musikverlage vertreten Songwriter und lizenzieren deren Werke für Aufnahmen, Streaming und audiovisuelle Nutzungen. Sie sorgen zudem dafür, dass die Urheber angemessen vergütet und genannt werden.
- Die Plattenfirmen (auch Tonträgerhersteller genannt) besitzen die Rechte an der Tonaufnahme - der "Masteraufnahme" als erste Aufnahme des Liedes - und vergeben Lizenzen für die kommerzielle Nutzung.
Unterschiedliche Nutzung – unterschiedliche Lizenzen
Je nach Form der Nutzung sind gesonderte Lizenzen erforderlich.
- Mechanische Rechte: Wesentlicher Bestandteil des Urheberrechts im Musikbereich für die Vervielfältigung und Verbreitung von Musik (Reproduktion einer Komposition in physischen oder digitalen Formaten z. B. über CDs, Downloads oder Streaming Plattformen).
- Aufführungsrechte: Für die öffentliche Vorführung oder Live-Veranstaltungen, oft lizenziert über Verwertungsgesellschaften wie die GEMA, die Vergütungen an Autoren, Interpreten, Verleger und Labels ausschütten.
- Synchronisationrechte: Für die Integration von Musik in audiovisuelle Medien (Filme, Serien, Videospiele).
- Druckrechte: Für die Vervielfältigung und Verbreitung von Noten und Liedtexten. Die Verwendung von Liedtexten auf Waren (z. B. T-Shirts) ohne Genehmigung kann diese Rechte verletzen, es sei denn, es gelten bestimmte Ausnahmen nach dem Urheberrecht.
Lizenzgebühren: Wer bekommt das Geld?
Lizenzgebühren sind Vergütungen für die Nutzung musikalischer Werke und Aufnahmen. Sie kommen den Rechteinhabern zugute, darunter:
- Songwriter, Komponisten und Interpreten
- Musikverlage
- Plattenfirmen
- Dritte, denen Rechte übertragen wurden (z. B. Käufer von Musikkatalogen)
Das Musikstreaming hat die Art und Weise, wie Menschen Musik konsumieren, grundlegend verändert. Streamingdienste werden heute sehr breit genutzt. Laut Daten der britischen Regulierungsbehörde Ofcom nutzten im Jahr 2022 rund 47 % der britischen Bevölkerung wöchentlich Musikstreamingdienste, und mehr als 80 % der Musikverkäufe entfielen auf Streaming (Executive Summary – GOV.UK).
Was bedeutet dieser Wandel für Künstler in einer Welt, in der kaum noch jemand ohne ein Streaming-Abonnement lebt? Heute erhalten Musiker im Schnitt nur etwa 16 % des Gesamtwerts eines einzelnen Streams. Die Debatte um eine faire Vergütung von Künstler bleibt daher weiterhin aktuell und heiß diskutiert. Es überrascht also nicht, dass viele Musiker den Großteil ihres Einkommens aus anderen Quellen erzielen, etwa durch Live-Tourneen, Merchandising oder Kooperationen mit bekannten Marken. In einem von Streaming dominierten Musikmarkt bleiben geistige Eigentumsrechte ein zentrales Instrument, um die künstlerische Tätigkeit als Beruf wirtschaftlich tragfähig zu machen.
Marken und die Musikindustrie
Neben dem Urheberrecht spielt auch der Markenschutz eine immer wichtigere Rolle im Musikgeschäft. Während das Urheberrecht den kreativen Inhalt eines Songs schützt, sichern Marken die Namen und Logos, die eine Band oder Künstler auf dem Markt repräsentieren.
Eine Marke ermöglicht es Künstlern ihre Identität und ihren Ruf zu schützen sowie ihre Marke durch Merchandising, Lizenzierungen und Kooperationen zu kommerzialisieren. Bekannte Künstler wie Taylor Swift haben ihre Namen markenrechtlich schützen lassen, um ihre kommerzielle Identität abzusichern. Bis 2025 hat Taylor Swift über 350 Markenanmeldungen eingereicht. Das ist ein vorbildhaftes Beispiel für einen sehr strategischen und vorausschauenden Umgang mit geistigem Eigentum. Der Schutz umfasst dabei nicht nur ihren Namen, sondern auch Albumtitel, Songtexte und Merchandise-Artikel. Markenschutz gewährt ihr das exklusive Recht, den Namen im Zusammenhang mit z.B. Unterhaltungsdienstleistungen zu verwenden, hilft Konflikte mit anderen Künstlern mit ähnlichen Namen zu vermeiden, stärkt die Kontrolle über Werbe-Kooperationen und sichert zusätzliche Einnahmequellen durch Lizenzen und Merchandising.
Ohne markenrechtlichen Schutz können Künstler in rechtliche Auseinandersetzungen über ihren Namen verwickelt werden – wie im Fall der Band One Direction, die 2012 von einer gleichnamigen US-Band verklagt wurde. Eine Markenregistrierung kann helfen, solche Konflikte zu vermeiden oder im Streitfall eine stärkere Rechtsposition zu schaffen.
Künstler sollten daher erwägen, ihre Namen und Logos als Marken zu registrieren, sobald sie ein gewisses Maß an Bekanntheit erreicht haben. Obwohl die Registrierung mit Kosten verbunden ist, stellt sie eine lohnende Investition dar, um eine wachsende Marke zu schützen. Neben dem Künstlernamen und Logos können grundsätzlich auch kurze Melodien (z.B. Werbe-Jingles) als sogenannte Hörmarken geschützt werden. Zum Beispiel in Deutschland genießen Songtitel einen sogenannten Titelschutz nach dem Markengesetz, der mit der Veröffentlichung des Werks entsteht. Für einen umfassenderen Schutz, insbesondere im Bereich Merchandising, kann der Songtitel jedoch auch als Marke eingetragen werden. Marken können darüber hinaus für Unternehmen im Musikumfeld – etwa Hersteller von Instrumenten, Tontechnik oder digitalen Tools – von entscheidender Bedeutung sein, um Produktnamen im umkämpften Unterhaltungsmarkt zu sichern.
Patente für musikalische Innovationen
Patente sind vielleicht nicht das erste, was einem in den Sinn kommt, wenn man an Musik denkt, aber Erfindungen und Innovationen sind tief in der Musikindustrie verwurzelt. Von der Art und Weise, wie wir Musik schaffen, bis hin zu der Art und Weise, wie wir sie konsumieren, spielen Patente eine wichtige Rolle für den Fortschritt und die Gestaltung des Erlebnisses für Künstler und Publikum gleichermaßen.
In der Vergangenheit haben patentierte Erfindungen den Musikkonsum verändert - von Vinyl-Schallplattenspielern und Kassetten bis hin zu CD-Playern und der heutigen Streaming-Technologie auf mobilen Geräten. Jeder Fortschritt in der Wiedergabe- und Speichertechnologie basierte auf geschützten Erfindungen, die die Art und Weise, wie wir Musik nutzen, verändert haben. Aber die Rolle der Patente reicht noch viel weiter. Musiker und Produzenten sind täglich auf verschiedene Effekte angewiesen – ob im Studio oder auf der Bühne. Auch die Instrumente selbst haben sich dank geschützter Innovationen weiterentwickelt. Von Tonabnehmern für E-Gitarren bis hin zu digitalen Stimmgeräten – technische Entwicklungen im Instrumentendesign und in der Tontechnik erweitern kontinuierlich die kreativen Möglichkeiten von Musikern.
Da neue Technologien die Schaffung und den Konsum von Musik immer weiter umgestalten, ist ein solider Schutz durch das geistige Eigentum nach wie vor unerlässlich, um sicherzustellen, dass alle Mitwirkenden für ihre kreative Arbeit gerecht entlohnt werden. In den letzten Jahren haben sich Software- und KI-basierte Musiktechnologien als wichtige Bereiche der Patentaktivität herauskristallisiert – von Musikempfehlungsalgorithmen bis hin zu Echtzeit-Kompositionstools. Interessant werden vor allem Patente für Technologien, die die Sprache und Hintergrundgeräusche der Nutzer analysieren können, um Musikempfehlungen basierend auf deren emotionalem Zustand, Geschlecht, Alter oder Akzent zu geben. Dies und Trends wie KI-generierte Popbands, zum Beispiel in der südkoreanischen Musikindustrie, bringen jedoch viele neue Herausforderungen mit sich und werfen vor allem immer wieder die Frage auf: Wem gehört der Sound?
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