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Wem gehört Ihr Gesicht? Dänemarks vorgeschlagene Urheberrechtsreform sagt: Ihnen selbst
Dänemark geht gegen KI-generierte „Deepfakes“ vor, indem es ein neues Gesetz vorschlägt, das Einzelpersonen das gesetzliche Recht auf ihre eigenen Gesichtszüge, ihre Stimme und ihr Abbild einräumt.
Da KI-generierte Inhalte zunehmend Teil unseres Alltags werden, sind viele Menschen bereits mit den sogenannten „Deepfakes“ in Berührung gekommen. Deepfakes sind Videos, Bilder oder Audioaufnahmen, die mithilfe von KI erstellt werden, um reale Personen nachzuahmen – teils zu Unterhaltungszwecken, aber immer häufiger auch mit dem Ziel, zu täuschen oder in die Irre zu führen. Während gefälschte, KI-generierte Inhalte früher aufgrund ihrer schlechten Qualität leicht zu erkennen waren, haben Deepfakes mittlerweile eine Realitätsnähe erreicht, die die Öffentlichkeit leicht täuschen kann.
Nutzer von YouTube, Instagram oder TikTok kennen die „unterhaltsamen“ Deepfakes prominenter Persönlichkeiten, die auf diesen Plattformen kursieren. Ein Beispiel sind die gefälschten Videos eines angeblichen Tom Cruise, der Zaubertricks vorführt oder Golf spielt. Doch dieselbe Technologie wird zunehmend für schädlichere Zwecke eingesetzt. Beispiele hierfür sind gefälschte automatische Anrufe, in denen Joe Biden während der US-Vorwahlen 2024 imitiert wurde, um Wähler in New Hampshire davon abzuhalten, ihre Stimme abzugeben, oder Betrugsfälle, bei denen KI-generierte Audiodateien genutzt werden, um vertraute Stimmen zu imitieren und so Straftaten zu begehen.
Viele Regierungen haben bereits begonnen, auf die Bedrohung durch KI-generierte Inhalte und Deepfakes zu reagieren, indem sie politische Maßnahmen oder Gesetzesänderungen einführen. In den USA wurde beispielsweise eine Regelung eingeführt, wonach Plattformen schädliche Deepfakes innerhalb von 48 Stunden entfernen müssen. Das britische Online Safety Act und das EU-Digitale-Dienste-Gesetz (Digital Services Act) zielen darauf ab, schädliche Online-Inhalte zu verhindern, indem sie illegale Aktivitäten und die Verbreitung von Desinformation bekämpfen.
Dänemark geht nun einen Schritt weiter und schlägt eine Änderung des bestehenden Urheberrechts vor, die den Menschen ausdrücklich Rechte an ihrem eigenen Abbild einräumt.
Nach dem neuen Gesetz hätten Einzelpersonen das Recht, von Online-Plattformen die Entfernung von Deepfake-Inhalten zu verlangen, die ihr Bild oder ihre Stimme ohne Zustimmung verwenden – mit der Möglichkeit, Schadensersatz zu fordern. Zugleich soll die Nutzung von KI für Parodie- und Satire-Inhalte weiterhin erlaubt bleiben, während Menschen vor böswilliger oder ausbeuterischer Verwendung ihrer Identität geschützt werden. Der dänische Kulturminister Jakob Engel-Schmidt fasste die Haltung so zusammen: „Jeder Mensch hat das Recht auf seinen eigenen Körper, seine eigene Stimme und seine eigenen Gesichtszüge.“
Plattformen, die sich nicht an die Vorschriften halten, könnten hohe Geldstrafen erhalten. Dänemark hofft zudem, dass diese Änderung einen Präzedenzfall schafft und als Modell für künftige EU-weite Standards dient. Der dänische Vorschlag markiert einen längst überfälligen Wandel in der Art und Weise, wie wir im Zeitalter der KI über digitale Identität und Eigentum denken. Sollte er erfolgreich sein, könnte er den Weg für weitergehende individuelle Rechte und Reformen in anderen Ländern ebnen.
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