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Forschungsdaten freigeben, aber wie? Lizenzen im Überblick
Lizenzen für Forschungsdaten: Orientierung im Dschungel der Möglichkeiten
CC BY, GPL oder ODbL – wer Forschungsdaten teilt, sollte die passende Lizenz wählen. Hier erklären wir, welche Modelle für Publikationen, Software und Datenbanken sinnvoll sind und wie Forschende rechtssicher und sichtbar veröffentlichen können.
Wissenschaft lebt davon, dass Forschungsdaten geteilt und nachgenutzt werden können. Doch wie stellt man sicher, dass die eigenen Daten rechtssicher veröffentlicht werden, und dass andere wissen, was erlaubt ist? Eine neue Handreichung der Hochschule Kehl, die in Zusammenarbeit mit der Kanzlei Maucher Jenkins erstellt worden ist, liefert Orientierung bei der Wahl der passenden Lizenz.
Warum Lizenzen wichtig sind
Wer Forschungsdaten veröffentlicht, möchte oft ihre Nachnutzung erleichtern – gleichzeitig aber bestimmte Bedingungen festlegen, etwa die Nennung der Urheber oder eine Einschränkung auf nicht-kommerzielle Zwecke. Ohne Lizenzhinweis gilt automatisch „alle Rechte vorbehalten“. Das kann im Open-Access-Kontext zu Missverständnissen führen und die Nachnutzung verhindern.
Bei der Wahl einer geeigneten Lizenz gilt es, zwischen drei zentralen Bereichen zu differenzieren:
- Publikationen und Inhalte,
- Software und
- Datenbanken.
Publikationen und Inhalte: Creative Commons
Für Texte, Bilder, Videos oder Forschungsdaten, die nicht in Form von Software oder Datenbanken vorliegen, haben sich Creative-Commons-Lizenzen (CC) durchgesetzt. Sie sind international verbreitet, leicht verständlich und maschinenlesbar.
Wichtige Varianten:
- CC0: Verzicht auf alle Rechte – Daten sind gemeinfrei nutzbar. Ideal, wenn größtmögliche Verbreitung gewünscht ist.
- CC BY: Namensnennung erforderlich, ansonsten freie Nachnutzung – Empfehlung der EU-Kommission für Forschungsdaten.
- CC BY-SA: Namensnennung + Weitergabe unter gleichen Bedingungen – sichert Offenheit für künftige Nachnutzungen.
- CC BY-NC: Nutzung nur nicht-kommerziell erlaubt – sinnvoll, wenn man kommerzielle Verwertungen individuell aushandeln möchte.
Weniger geeignet: Lizenzen mit dem Zusatz ND (keine Bearbeitung), da sie selbst Übersetzungen verbieten können und so den wissenschaftlichen Austausch hemmen.
Für wen passt was?
- Offen teilen ohne Einschränkung → CC0 oder CC BY
- Offen teilen, aber Weitergabe kontrollieren → CC BY-SA
- Kommerzielle Nutzung ausschließen → CC BY-NC
Software: Open Source im Blick
Bei Software unterscheidet man zwischen permissiven Lizenzen (wenige Einschränkungen) und Copyleft-Lizenzen (Weitergabe muss unter denselben Bedingungen erfolgen).
Wichtige Modelle:
- MIT License: Kurz und verständlich, erlaubt fast alles – nur ein Urhebervermerk ist Pflicht. Gut für maximale Verbreitung.
- Apache License 2.0: Ähnlich wie MIT, zusätzlich mit Patentlizenz – reduziert rechtliche Risiken für Nachnutzende.
- GNU General Public License (GPL): Copyleft-Lizenz. Erlaubt Nutzung und Weitergabe, verlangt aber, dass bearbeitete Versionen ebenfalls offen unter GPL veröffentlicht werden – inklusive Quellcode.
Für wen passt was?
- Möglichst breite und auch kommerzielle Nutzung → MIT oder Apache
- Offen teilen und proprietäre Weiterentwicklungen verhindern → GPL
Datenbanken: Open Data Commons
Auch Datenbanken können geschützt sein und erfordern eine klare Lizenzierung. Hier bietet die Open Knowledge Foundation passende Standardmodelle.
Wichtige Modelle:
- ODC-By (Attribution License): Nutzung, Vervielfältigung und kommerzielle Nachnutzung erlaubt – solange die Urheber genannt werden.
- ODbL (Open Database License): Wie ODC-By, aber mit Copyleft: Abgeleitete Datenbanken müssen ebenfalls frei unter ODbL veröffentlicht werden.
Für wen passt was?
- Offen teilen, auch für kommerzielle Zwecke → ODC-By
- Offen teilen, aber Weitergabe an Bedingungen knüpfen → ODbL
Fazit
Eine passende Lizenz macht den Unterschied: Sie schafft Rechtssicherheit, erhöht die Sichtbarkeit und erleichtert Nachnutzung. Forschende sollten daher früh überlegen, welche Bedingungen sie an die Nutzung ihrer Daten knüpfen möchten – und dabei auf etablierte Standards setzen.
Die ausführliche Handreichung „Lizenzen an Forschungsdaten“ finden Sie hier.
Bei Fragen stehen Ihnen unsere Anwältinnen und Anwälte gerne zur Verfügung. Kontaktieren Sie uns einfach unter: freiburg@maucherjenkins.com oder telefonisch: +49 (0)761 79 174 0
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